Wahrhaft königlich: Impressionen aus der Dresdener Residenz

Ein Wiedersehen kann sehr erfreulich sein, auch eines, das nicht einer geliebten Person, sondern einer Stadt gilt. Nie werde ich die Tränen meiner Mutter vergessen, die das Dresden des Jahres 1990 mit der Stadt vergleichen musste, die sie als junge Frau vor dem Zweiten Weltkrieg kennen gelernt hatte.

Aber Dresden ist wieder auferstanden, das Florenz des Nordens in seiner Schönheit und Leichtigkeit. Deshalb verwundern die Besucherströme nicht, die sich im Sommer durch die Altstadt Dresdens in die Frauenkirche und zum Grünen Gewölbe im Schloss drängen. Nur ganz arm darf man nicht sein, wenn man die Schatzkammer, das Grüne Gewölbe besuchen will, denn sie ist leider geteilt, in das Neue Grüne Gewölbe und das Historische Grüne Gewölbe. Für das Neue Grüne Gewölbe gilt das Ticket, mit dem man auch die anderen Sammlungen der Residenz besichtigen kann. Der Besuch des Historischen Grünen Gewölbes ist aus verständlichen Gründen limitiert. Allerdings wird einem der fast verleidet, gemahnt er doch dank Höhe des nochmals zu entrichteten Eintrittsgelds und der rigiden Zeitplanung an moderne Bahnfahrten.

Aber der Besuch des (modernen) Grünen Gewölbes tröstet über solch ärgerlichen Unbilden der postmodernen Museumsbürokratie.
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Wer bewundert nicht die mit feinster Kunstfertigkeit hergestellte Eule (1713) die mit ihren Edelsteinaugen und ihrem changierenden Gefieder ein so prächtiges Beispiel der Verbindung von Kunst und Natur gibt. Edle Geschirre, nur als Tischschmuck zu benutzen, Tiere, besonders der edle Hirsch in Glas und Silber, Herkules die Weltkugel tragend  auf einem edlen Untersatz stehend.


Wunderbar und einer langen Besichtigung würdig: der Hofstaat des Großmoguls Aureng -Zeb (1701) – eine überaus subtile und differenzierte Betrachtung auch der sächsisch-polnischen Monarchie durch den hochbegabten (und fürstlich entlohnten) Goldschmied Augusts des Starken, Johann Melchior Dinglinger (1664-1731). Es ist unmöglich, hier nur annähernd alle Schätze zu erwähnen, aber dafür gibt es ja einen guten Katalog, der im Vergleich zu den Eintrittspreisen äußerst erschwinglich ist.[1]

Wer sich aber der Faszination der türkischen Welt durch die Jahrhunderte vergewissern will, gehe in die Türckische Cammer. Man betrete die prächtigen Zelte und fühlt sich in den Orient versetzt, man  sehe sich die edlen und geschmückten Säbel und Schwerter an und kann sich vorstellen, wie die türkischen Heere mit ihren modernen Kriegsführung und ihren feurigen Pferden die angegriffenen Städte und Soldaten in Angst und Schrecken versetzt haben. Die dazugehörigen Gemälde untermalen diese in der Phantasie ausgemalten Schrecknisse der damaligen Zeit. Alle Artefakte ließ August der Starke mit diplomatischen Geschick und Leidenschaft sammeln. Er stürzte damals den sächsischen Staat in tiefe Schulden- welch Ironie oder Gerechtigkeit, dass die  damals gesammelten Schätze heute zu den großen  Reichtümern einer  Stadt gehören, die sich vor Jahren ihres gesamten Eigentums an Mobilien entledigt hat. Möge dieser Schatz erhalten bleiben zur Freude aller Menschen und nicht nur der Einwohner des Staates Sachsen und seiner Regierungsstadt.

 

Öffnungszeiten von 10.-18.00 Uhr, Dienstag geschlossen,

www.skd.museum

Besucherservice:  besucherservice@skd-museum

 

Elisabeth Simon

 



[1] Syndram, Dirk, Schatzkunst der Renaissance und des Barock. Das Grüne Gewölbe zu Dresden, Dresden, 3. Aufl. 2008, Deutscher Kunstverlag München/ Berlin, ISBN 978-3-422-06489-8, 24, 80 EUR.