Kunst kommt vom Können: Das Museum für Sächsische Volkskunst

Ein (leider in eine falsche Richtung weisendes) Hinweisschild in der Dresdner Residenz weist dem geneigten Besucher den Weg zu einem weiteren highlight der sächsischen Museumslandschaft: dem Museum für sächsische Volkskunst. Hier können Sie besichtigen, dass Kunst viel mit Können zu tun hat, und Kunsthandwerk viel mit dem Erfindungsreichtum, mit dem sächsische Künstler ihre Heime schmückten oder für die anderer schnitzten. Die falsche Richtungsangabe ist schnell vergessen, sobald man das Museum betritt.

Nicht nur das Museum, sondern auch das Gebäude selbst ist eine Bemerkung wert: Der Jägerhof ist eines der ältesten Baudenkmäler der Dresdner Neustadt. Kurfürst August ließ ihn ab 1569 erbauen. Schon damals diente er Schauzwecken. Er beherbergte Gemälde und Skulpturen aus kurfürstlichem Besitz. Dieser Renaissancebau wäre dem Abriss anheim gefallen, wenn nicht Oskar Seyffert (1862-1940), Professor an der königlich sächsischen Kunstgewerbeschule beschlossen hätte, ihn als Heimstätte der Sammlungen des Vereins für Sächsische Volkskunde zu nutzen. Und das ist er bis heute geblieben, ab 2005 im neuen Gewand und mit einem vorbildlichen museumspädagogischen Konzept.

Erst seit 2011 ist es sicher bekannt, dass Elias Augst (1775-1849) aus Steinigtwolmsdorf das ein ganzes Zimmer einnehmende Figurentheater der Leidensgeschichte Christi schuf, das auch heutige Besucher stundenlang in Bann zu nehmen weiß. Elias Augst verdiente durch die Zurschaustellung seines einmaligen Kunststücks. Bald profitierte auch sein nicht eben reiches Heimatdorf davon, da Besucherströme kamen, um dieses sächsische Weltwunder aus der Nähe zu erleben.[1]

Aber nicht nur dies ist bemerkenswert, sondern überhaupt die Fülle und Farbenpracht der getischlerten, gedrechselten und geschnitzten Bauernschränke, Wiegen, Leuchter, Krippen, Weihnachtspyramiden, Spielzeugkarussels, Miniaturwunderwerke (die Weihnachtsgeschichte in einer Nussschale!)…..

Farbe in der Bude – mit diesem geschnitzten Leuchter bestimmt

 

Zeigt die Dresdner Residenz Kunstwerke in Gold und Silber, so stehen diese geschnitzten hölzerenen Pretiosen dem Glanz des augusteischen Fürstenhofs an nichts nach: Beide beruhen im Grunde auch auf demselben Fundament, dem Staunen über Kunst und Könnerschaft, der Lust an der Überraschung und Spielerei, der Freude an einer größtmöglichen handwerklichen Präzision.

Das Museum hat in der zweiten Etage ein eigentlich schlichtes, aber umso wirkungsvolleres museumspädagogisches Konzept umgesetzt: Die Themen, die in der Vitrine gezeigt werden, wiederholen sich in Kästen unter den Vitrinen, die aufgezogen und deren Inhalt entdeckt, auf dem Boden ausgebreitet und bespielt werden darf. So konnte der kindliche Besucher, in dem Fall ein Vierjähriger, mit Holzengeln und Eisenbahnen hantieren, und seine Begleitung konnte sich in Ruhe der Betrachtung der Wunderwerke in den oberen Stockwerken widmen….Problematisch ist dabei nur, die Kinder aus dem Museum zu bekommen. In dem Fall gelang das nur unter lautstarkem Protestgebrüll. Wir kommen wieder.

Mobilitätsgeschichte erspielen – mit einer Holzeisenbahn made in Saxony

Kontaktdaten:

Museum für Sächsische Volkskunst  und Puppentheatersammlung im JägerhofKöpkestr. 1, 01097 Dresden; www.skd.museum Besucherservice /Gruppenanmeldung: besucherservice@skd.museum; täglich 10-18 Uhr außer montags

 

(Elisabeth Simon/ Ruth Schilling)



[1] Herrde, Bernd, Geschnitzt, gemalt, bewegt: Mechanische Wunderwerke des sächsischen Universalgenies Elias Augst, Husum: Husum Verlag 2012, ISBN 9783898765855.