Apothekenmuseum Cottbus

Die Apotheke – Medizinschrank und Heilwiese
(Gastbeitrag von Elisabeth Simon)

Würden Sie bei der Planung Ihrer Museumsbesuche – von der Stadtgeschichte und zu Häusern der Kunst, einen Besuch in ein Apothekermuseum einbeziehen? Eher nein! Wir suchen zwar alle im Laufe unseres Lebens keinen Laden so oft auf wie eine Apotheke. Aber von einem Museum erwarten wir Zuwachs an Informationen (wenn nicht Sensationen) und Aufklärung, doch wäre ein Besuch eines Apothekermuseums, wenn wir überhaupt realisieren,  dass es so eine Einrichtung gibt, nicht unbedingt nahe liegend.

Lassen Sie sich informieren! Nehmen Sie sogar eine Fahrt (mit einem Brandenburg Ticket  nicht teuer, wenn auch langwierig, bei Verspätungen, die weit über 50% der Fahrtzeit betragen) auf sich und fahren nach Cottbus. Dort auf dem großen und bildhübschen Marktplatz liegt die Löwenapotheke, gegründet von dem Markgraf von Cüstrin (jenem Küstrin, das im Jahr Friedrichs des Grossen eine gewissen Berühmtheit erlangt) und dem Apotheker Dr. P. Cnemiander 1568 als Privileg übergeben, der dann die Apotheke 1573 eröffnete, am Altmarkt Nr. 24. Wenn auch die angezeigten Öffnungszeiten nicht unbedingt mit dem möglichen Zugang übereinstimmen, haben Sie Geduld. Ein Rundgang durch dieses hinreißende Haus aus der Mitte des 16. Jahrhunderts mit all einen Modellen zur  Apothekergeschichte bis zu Zeiten der DDR ist gleichzeitig ein Gang durch die leidende und forschende Menschheit. Nicht allein seine Faulheit ließ den Mensch  forschen und technische Neuerungen erfinden, sondern seine Leiden und Krankheiten schickten ihn auf eine bis heute andauernde Suche nach Mitteln der Heilung und Linderung. Es war nicht allein die ehrwürdige Hildegard von Bingen, es waren zahlreiche Zeitgenossen, die ein großes Wissen an Kräutern und ihren Wirkstoffen aufbauten. Diese Kräuter, deren Namen uns nicht mehr alle bekannt sind und ihre Verarbeitung sind hier zu besichtigen. Dass sich heute große Pharmakonzerne im Zeitalter der Allergien und neuen Viren für diese Stoffe erneut interessieren, ist bekannt. Aber nicht nur alte und neue Geräte und Verarbeitungen, wer kennt schon einen Pillendreher, sind im Apothekenmuseum zu besichtigen, nein sie präsentiert in den verschiedenen Räumen die im jeweiligen Zeitalter moderne Apotheke.

Wer kennt sie nicht, die Hausapotheken mit den jeweiligen Schränkchen,  aus der die Mutter mit Pflaster (immer noch Hansaplast) und Jod Abschürfungen  und andere Wunden vor dem Eitern bewahrte. Diese Hausapotheken, wunderbar geschnitzte Schränke von großem Ausmaß  unterscheiden sich wesentlich von den kleinen Blechschränken, die heute in den Wohnungen in kindsicherer Höhe an den Wänden hängen. Aber der Medizinschrank für den Luftschutzkeller gegenwärtigt wie schutzlos die Menschen während dieser Stunden der Luftangriffe waren: Mehr als eine symbolische Bedeutung konnte dieses Schränkchen nicht haben.

Mediziner und Apotheker hantierten auch immer mit Giften. Nicht nur der Fingerhut macht deutlich, dass beides dicht nebeneinander liegt und nur die richtige Dosierung (und Gewicht) aus einem Gift ein Heilmittel machte. Der Giftschrank in dieser Apotheke ist imponierend. Dreifach gesichert ! Nach welchem Schlüssel, fragt sich der  Krimi erfahren Besucher, konnte nur der Apotheker die dreifachen Tüten öffnen, gab es zu einer gewissen Zeit einen Anstieg der Morde in Cottbus? Anfang des 20 Jahrhunderts gab es im gesundheitlich schlecht versorgten Afrika  mehrere Tötungen, die in der guten Absicht  auf einer falschen Dosierung der Medizin beruhten. War dies auch in Cottbus und seiner Umgebung, die von dieser Apotheke versorgt  wurde, der Fall?  Dies würde eine Antwort auf die Frage nach der dreifachen Versiegelung des  Giftschrankes geben.

Die Apotheke ist auch ein Spiegelbild dieser nördlichen Region. Schnupfen und Heiserkeit mit all seinen Begleiterscheinungen, die uns heute noch plagen, haben auch die Generationen vor uns gequält und sind mit allerlei Tinkturen zum Einnehmen und Einreiben bekämpft worden. Baldrian, in großen Fässern gelagert und dort verarbeitet, kennen wir heute noch aus vielen Heilmitteln. Nur erforderte die Herstellung damals die gelehrte und gekonnte Aktivität des Apothekers, wobei er heute nur den richtigen Griff in die richtige Schublade machen muss.

Hier noch einige Daten zur Geschichte des Hauses: 1573 Eröffnung, im Laufe der Jahrhunderte verschiedene  Neu- und Umbauten. 1951 Verstaatlichung  1964 Umbau, 1980 Aufnahme in die Bezirksdenkmalliste der DDR 1984 Sanierung des gesamten Gebäudekomplexes,  1994 Gründung des Vereins  zur Förderung des Niederlausitzer Apothekenmuseums in der Löwen-Apotheke Cottbus e.V., seit 2002 Brandeburgisches Apothekenmuseum  (Eintritt 4 Euro, es lohnt sich ! ).