Stadtgeschichte im Märkischen Museum Berlin

Von Werden, Vergehen und Wiedergeburt einer Metropole:


Man müsste jedem Berlin Besucher bei seiner Ankunft in der Hauptstadt die Adresse des Märkischen Museums auf die Rechnung oder das S-Bahn-Ticket drucken. Wie oft begegnet man Touristen, die zu zweit oder in Gruppen tief gebeugt über einen Stadtplan sich fragen, was das für ein Gebäude ist und ob es eventuell das Gesuchte darstellt und wo wohl die viel gerühmte Innenstadt, das Berliner Zentrum der Wissenschaft und Kultur war, in der berühmte Persönlichkeiten wie Rahel von Varnhagen oder auch der Philosoph Moses Mendelsohn gewohnt haben.

Das Märkische Museum bietet für solche Ratsuchenden Berlin-Spaziergänge an und zwar gut medial gestaltet von der Vergangenheit zur Gegenwart. Auf diese Weise gelingt es den Ausstellungsmachern, die unterschiedlichen historischen Schichten einer Stadt räumlich plastisch zu machen und nicht rein chronologisch zu erzählen.

Zu einer solchen historischen Raumreise lädt beispielsweise die Wilhelmstraße ein: In ihr hatte Reichskanzler Bismarck seine Wohnung und Arbeitsplatz. Er ließ eine Tür von seiner Wohnung zu seinem Arbeitsplatz, dem Auswärtigen Amt durchbrechen, was ihm sehr gelegen war, denn er war kein Frühaufsteher. Im Juni 1961 diente sie dann als Grenzmarkierung zwischen Ost und West.

Von den vielen Modellen der Stadt, die einen Überblick verschaffen in das Werden und besonders Vergehen Berlins 1945, das mit erschütternden Photos nicht ausgespart wird, bis zu den Räumlichkeiten der Zünfte: Man taucht in diesem Museum in neue Räume, in neue und alte Welten, die uns ungewohnte Dimensionen der Stadt und ihrer Region vermitteln – ja, wenn man nicht unglücklicherweise ständig beobachtet werden würde. Das Museum hat eklatant zu wenig Besucher, aber sollte man nicht auf die Gewinnung neuer Personen und Besucher mehr Wert legen als demjenigen, die dorthin kommen, ein unbehagliches Gefühl leichter Kriminalisierung zu vermitteln? Von fünf bis sechs Aufsichtskräften gut bewacht verbrachten wir dort einen ganzen Nachmittag zu zweit, und es hätte noch länger dauern können, wenn man sich behaglicher und entspannter hätte fühlen können. Ein romantisches Cafè im Hof dieses eindrucksvollen Gebäudes reicht dazu nicht aus, besonders wenn es kalt ist, was auch in Berlin vorkommt.

Das Märkische Museum ist nicht nur ein Berlin-Museum, es ist auch ein Museum der Mark und zeigt eindrucksvoll eine Metropole in der Region und deren Einfluss auf diese Metropole. Besonders deutlich bewusst wird einem dies im Untergeschoss des Museums, in dem eine hervorragend gestaltete neue Dauerausstellung die schriftlose Zeit Berlins und Brandenburgs thematisiert.

Die atemberaubende Sammlung von frühchristlichen und mittelalterlichen Denkmälern, die hier zu Hause ist, erwartet man nicht in einem Museum und erkennt dankbar, dass die einzigartige Raumgestaltung des Märkischen Museums einer solchen Ausstellung entgegen kommt. Aber es fehlt – wie an manchen anderen Stellen- an Erklärungen und Einordnungen. So sehr diese Ausstellung die Verbundenheit Berlins mit seiner Region unterstreicht, grübelt man doch darüber, ob nicht das eine oder andere christliche Monument in einer Kirche besser aufgehoben wäre als hier im Museum (Mittelalterliche Sakralkunst neu entdeckt). Aber das ist ein altes Problem und der Gegenstand mancher Diskussion, die ein Museum immer aufwirft, das Gegenstände ausstellt, die ihrem ursprünglichen räumlichen und Gebrauchskontext entrissen sind.

Ein reines Besuchervergnügen ist die Sonderausstellung Kinderträume/Kaufmannsläden. Hier wünscht man sich manchen Spielzeughersteller als Besucher, denn nur zu gerne würde man einen solchen Kindertraum kaufen.

(Gastbeitrag von Elisabeth Simon)

Märkisches Museum – Teil der Stiftung Stadtmuseum Berlin, www.stadtmuseum.de  Am  Köllnischen Part 5, 10179 Berlin, Telefon 030- 243002- 162 , Eintritt 5.00 Euro, Photoerlaubnis 2.00 Euro

Eine Nacht im Museum

Warum die Angebote für Kinder in der „Langen Nacht der Museen“ am 28. Januar so spannend waren (Von Dr. Ruth Schilling)

Volles Programm auch für Kinder bei der Langen Nacht der Museen in Berlin

Draußen fielen die ersten Schneeflocken des Winters, drinnen war es gemütlich und dunkel. Eine Rakete startete, ein Mann hüpfte auf dem Mond, das Sternbild des Großen Bären leuchtete auf …

„Eine kleine Sternenreise“, so hieß das gleichzeitig anschauliche, aber auch anspruchsvolle Programm des Berliner Planetariums, einer altvertrauten West-Berliner Institution, die bei ehemaligen West-Berlinerinnen und West-Berlinern Kindheitserinnerungen wachruft. Still und andächtig konnte man zu Beginn in den Berliner Abendhimmel eintauchen, der – hell erleuchtet, wie er ist – keinen besonders klaren Blick auf das nächtliche Schauspiel von Sternen, Sternschnuppen und Planeten bietet. Doch dann wurde es dunkel, Sternbilder wurden erklärt, wir reisten auf den Mond, lernten die gewaltige Hitze der Sonnen kennen und die ersten Grundzüge des Planetensystems. Das war nicht nur für Vierjährige spannend, sondern auch für Geisteswissenschaftler mit einem schlecht ausgeprägten Orientierungssinn, die am Himmel nur den Großen Wagen identifizieren können. Eine nur 45-minütige Veranstaltung, die einen aber voll Staunen zurückließ und mit dem Wunsch, bald wieder in diese Wunderwelt des Himmels zu reisen …

Pirat im Labyrinth

Staunen konnten wir dann auch im „Labyrinth“, dem Kinder-Museum an der Osloer Straße. Gefasst hatten wir uns auf ein kleines Hinterzimmer, wo es einige Spiele und Konstruktionen gibt. Doch erwartet wurden wir von einer großen, umgebauten Fabrikhalle, für die die Bezeichnung „Kinderparadies“ eine Untertreibung darstellt. Unten versuchte ein König mit majestätisch lauter Stimme zusammen mit sehr hübsch gewandeten Gehilfinnen Berliner Gören Tänze der friderizianischen Epoche beizubringen (leise Zweifel, ob der Alte Fritz das wirklich gut gefunden hätten, wurden durch die Begeisterung der kleinen und großen Kinder im Keim erstickt), oben hieß es, ein kindertaugliches Museumsobjekt nach dem anderen zu entdecken, vom Kasperlespiel bis hin zum Piratenschiff, einem Guckpanorama auf Kinderhöhe, einem Lichtlabyrinth, einem Rabentreffspiel…..Einziger Wermutstropfen: wir mussten dann doch irgendwann gehen. Mit einem schreienden Knaben, der so laut verlangte „hier bleiben, will hier bleiben! “, dass die Wände des Labyrinths wackelten.

Das Kind als König

Davids Meinung: Spektakel auf Augenhöhe



Wir waren nicht die einzigen, die ihren Nachwuchs am Neujahrstag mit dem Versprechen, große Dinos treffen zu können, in das Naturkundemuseum lockten.
Die Dinos lockten David zwar ins Museum, aber dort interessierte er sich dann nicht nur für die großen Skelette. Auch Stars werden mal links liegen gelassen, so im Schausaal des Naturkundemuseums (Saal: Saurierwelt). Dort entdeckte David, dass man zu kleinen Lehrfilmen gelangte, wenn man einzelne Wörter auf den Erklärungstafeln drückte.

Darunter hatte es ihm einer besonders angetan, in dem die Bewegungsabläufe beim Menschen mit denen eines Raubsauriers verglichen wurden. Beide Skelette rannten elegant über die Leinwand. Unser Sohn hat den Film ca. 70 Mal angeschaut.

Außerdem äußerst verlockend: Eine selbstzusteuernde Computeranimation zweier Saurier. Ein riesengroßes Nilpferddiorama (Saal: Huftiere).

Glitzernde Mineralien auch auf Augenhöhe von Kindern (Saal: Mineralien). Federn, die in die Luft gepustet werden (Saal: Vögel – das gefiel auch deutlich jüngeren Kindern als David). Verschiedene Musikausschnitte von Mozart bis Star Trek zum Thema Planeten (Saal: Kosmos und Sonnensystem).

Fazit: Wir kommen wieder, bestimmt. Und dann schauen wir uns noch einmal den tollen Film mit dem rennenden Totenkopf an.

Die Ausstellung ist eröffnet

Deutschland ist Museumsland. In kaum einem anderen Land der Erde gibt es pro Kopf so viele Ausstellungen, Sammlungen und Museen wie hierzulande. Dieser Vielfalt wollen wir dieses Blog widmen.
Es soll ein ganz persönlicher Blick auf das sein, was uns in der Museumswelt fasziniert hat, was uns begeistert hat – und was uns gelangweilt hat.
Bleiben Sie dran!