Thesaurus mirabilium

Das Naturkundemuseum der Humboldt-Universität zu Berlin

Mitten in Berlin, zu Fuß gut von unser beider Arbeitsstätte erreichbar, brauchte es doch eines verregneten Neujahrstages, um uns in das Naturkundemuseum zu führen, eine wahre Stätte aller Wunder.
Zunächst ein paar Worte zu der Infrastruktur: Selten habe ich ein so gut ausgeleuchtetes Museum besucht. Das ist um so wichtiger, da die Verschiedenartigkeit der Objekte, ihre Vielfarbigkeit, ihre faszinierende Kleinteiligkeit leicht hätte dazu führen können, dass man halbblind aus dem Museum wankt. Die Präsentation ist aber in der Sichtbarkeit der Vitrinen, der Ausleuchtung, dem Wechsel an interaktiven und kontemplativen Elementen so geschickt organisiert, dass sich der übliche Ermüdungseffekt kaum einstellt. Man möchte vielmehr, kaum verlässt man das Museum, schon wieder hineingehen.
Wir haben längst nicht alles gesehen und freuen uns schon auf weitere verregnete Nachmittage.

Unbedingt besuchen sollte man die Sonderausstellung „Biopolis“, zumal wenn man in Berlin lebt und sich immer wieder fragt, warum eigentlich Füchse am Potsdamer Platz leben oder wie ein Waschbär in die Ziegelstraße (Berlin-Mitte) gelangt. Einzelne, in Form von Bushaltestellen konzipierte Infotafeln zeigen die Vielfalt von Berlin als Hauptstadt der Bio-Diversität (schlägt sogar New York!) in ihrer ganzen Schönheit, aber auch ihrer Problematik, wenn etwa Wildschweine, die ja nicht immer friedfertig sind, zumal, wenn sie mit Jungen unterwegs sind, durch Füttern in Wohngebiete gelockt werden …
Weitere highlights waren: Die beeindruckende Präsentation des Archaeopteryx lithrographica, des wohl schönsten Exemplars dieser Art. Seine Objektgeschichte ist nebenbei ein Lehrstück in Marktwirtschaft: Sein Finder verkaufte ihn im Jahre 1876 für den Gegenwart einer Kuh. Der preußische Staat musste schließlich 20 000 Reichsmark in mehreren Raten für seinen Erwerb aufbieten. Heute wäre das gute Stück sicherlich einige Millionen EUR wert.
Konkurrenz erhält der steinerne Vogel durch den Brachiosaurus brancai, den weltweit größten Dino in Skelettform, übrigens vom Guiness Book der Rekorde zertifiziert.

Die gewaltigen Knochen verleiten einen zu philosophischen Überlegungen, war das Monstrum doch ein Pflanzenfresser und vermutlich ununterbrochen mit der Erhaltung seiner eigenen Existenz beschäftigt. Wieviele Weihnachtsbäume hätte man wohl gebraucht, um ihm ein schönes Frühstück zu bereiten ?
Aber nicht nur das Schauzimmer des Museums birgt der Wunder viele. Von einer eher abstoßenden Skurrilität die Manipulationsversuche der Nationalsozialisten, die auch vor dem Hornvieh nicht Halt machten. So findet sich im Saal Huftiere, der übrigens zum sozialistischen Altbestand der Museumsgestaltung gehört, eine sog. Riesenelenantilope, die für die Reichsjagdausstellung des Jahres 1936 noch etwas riesiger gestaltet wurde.
Außerdem bemerkenswert ein Diorama zum Ur, von dem Reichsjagdminister Hermann Göring stolz verkündete, ihn wiederauferstanden haben zu lassen (Saal Großdioramen).

Unbedingt beachten sollte man die etwas stiefmütterlich zwischen Sonderausstellung und Großdioramen eingezwängte Sammlung von Insektenmodellen. In 15-100 facher Vergößerung lassen sich viele Besonderheiten beispielsweise einer Stubenfliege entdecken. Auch diese Sammlung stellt ein echtes Unikum in dem an Einzigartigkeiten reichen Museum dar: Alfred Keller begann 1930 damit, sie in jahrelanger Kleinarbeit herzustellen. Er sollte damit Maßstäbe setzen, die bis heute gelten.
Leider mussten wir an dieser Stelle mit unserem Museumsrundgang abbrechen, werden uns aber hoffentlich demnächst mit einer Fortsetzung melden …

Davids Meinung: Spektakel auf Augenhöhe



Wir waren nicht die einzigen, die ihren Nachwuchs am Neujahrstag mit dem Versprechen, große Dinos treffen zu können, in das Naturkundemuseum lockten.
Die Dinos lockten David zwar ins Museum, aber dort interessierte er sich dann nicht nur für die großen Skelette. Auch Stars werden mal links liegen gelassen, so im Schausaal des Naturkundemuseums (Saal: Saurierwelt). Dort entdeckte David, dass man zu kleinen Lehrfilmen gelangte, wenn man einzelne Wörter auf den Erklärungstafeln drückte.

Darunter hatte es ihm einer besonders angetan, in dem die Bewegungsabläufe beim Menschen mit denen eines Raubsauriers verglichen wurden. Beide Skelette rannten elegant über die Leinwand. Unser Sohn hat den Film ca. 70 Mal angeschaut.

Außerdem äußerst verlockend: Eine selbstzusteuernde Computeranimation zweier Saurier. Ein riesengroßes Nilpferddiorama (Saal: Huftiere).

Glitzernde Mineralien auch auf Augenhöhe von Kindern (Saal: Mineralien). Federn, die in die Luft gepustet werden (Saal: Vögel – das gefiel auch deutlich jüngeren Kindern als David). Verschiedene Musikausschnitte von Mozart bis Star Trek zum Thema Planeten (Saal: Kosmos und Sonnensystem).

Fazit: Wir kommen wieder, bestimmt. Und dann schauen wir uns noch einmal den tollen Film mit dem rennenden Totenkopf an.