„Welten der Muslime“ und „Mythos Goldenes Dreieck“

Gemeinsamer Gastbeitrag von Prof. Dr. Artur Simon und Frau Elisabeth Simon

Im Abstand von nur einem Monat eröffnete das Ethnologische Museum Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz, gleich zwei neue Ausstellungen, Welten der Muslime und Mythos Goldenes Dreieck. Beide Ausstellungen führen in eine Welt ein, die uns trotz Nachbarschaft (Muslime) und Tourismus (Bergwelt Thailand) noch immer fremd ist.

Die Ethnologie hat ein Problem. Ihre auf die materielle Kultur ausgerichtete Zielsetzung verliert in einer globalen Welt, mit zunehmenden  Angeboten an fremden Kulturgegenständen, die zum Kauf angeboten werden und dem photographierenden Touristen an Attraktivität. Dieses ist aber nur vordergründig, es scheint, als ob die Völker dieser Erde jedem bekannt sind. Nein, die Völkerkunde hat an Bedeutung gewonnen, denn wir bestaunen nicht mehr fremde Sitten und Gebräuche oder weiden uns an fremdartigem Aussehen, wir wollen und müssen mit Ländern und ihren Einwohnern, die zunehmend zu unseren Nachbarn werden kommunizieren und dies oft hautnah. Interkulturelle Kompetenz wird aller Orten gefordert und alle, die international tätig sind, wissen, dass sich mit falschen Wissen und mangelndem Kontakt Barrieren auf- und nicht abbauen.

Welten der Islame, die neue Dauerausstellung des Fachreferats Islamischer Orient, zeichnete sich durch den Reichtum der ausgestellten Gegenstände aus. Man staunt immer wieder, wie wertvolle Schätze  in dieser großen Anzahl  das Ethnologische Museum besitzt.  Es offenbart den großen Einsatz staatlicher und privater Mittel von rastlosen Forschern und mildtätigen Staatssekretären zu Ende des 19. Und am Beginn des 20. Jahrhunderts, von denen Berlin heute noch zehrt. Die Ausstellung verließ die bei Ethnologen so beliebte Einteilung nach Geographie und Regionen und stellte statt dessen übergreifende Themen in den Mittelpunkt wie Haus und Gastfreundschaft, Materielle Kultur, Dimensionen des Islam.

Bilder und Texte informieren über privates Leben, Gastlichkeit und Solidarität und wie Material und Ornamentik sich auf die muslimische Formensprache beziehen. Reiche Ornamentik und wunderbare Farben aus den verschiedensten Ländern zeigen diese gemeinsame wie  vielschichtige religiöse Identität der muslimischen Völker. Es mag mit dem in jedem von uns verinnerlichten Bild des Orients zu tun haben, dass man die Ausstellung mit einem – wenn auch nur geringen – Gefühl des Bedauerns verlässt. Man darf Islam und Orient nicht gleich setzen und doch fehlt einem der Duft dieser Welt. Aus den Brunnen floss kein Wasser, der Eingang durch die Rumpelkammer entsprach so gar nicht unseren Erwartungen und wie gerne hätte das doch überwiegend ältere Publikum sich eine Glas  duftenden Tees gegönnt. Eine schöne und informative Ausstellung aber auf eine verhaltene Art und Weise doch etwas kärglich.

Die Eröffnung der Sonderausstellung Mythos Goldenes Dreieck  begann wie allgemein üblich mit langen Danksagungen. Das ist gut, denn die Organisation solcher Ausstellungen verlangt immer einen zusätzlichen Einsatz, mag die Personaldecke noch so gut gestrickt sein. Ohne diesen ist eine solch bezaubernde Ausstellung wie die über die Bergvölker Thailands nicht möglich und das klang auch an, als die Direktorin des Museums dem Kurator für seine Hartnäckigkeit dankte. Wer je mit großen Institutionen zu tun hatte, kann sich vorstellen, was das bedeutet. Ob es trotz Zuschüssen der Kulturstiftung des Bundes und Förderung durch die Freunde des Museums an Reisegelder für den Kurator gefehlt hat, war nicht ersichtlich, ließ aber das Publikum grübeln. Im Gegensatz zur Islamausstellung war die materielle Kultur nicht in der Größe und Pracht vertreten, hatte aber über einen sehr geschickten Ausstellungsmacher verfügt. Die Anordnung der Kleider in die Wände bedeckenden Kästen war ausgezeichnet und ließ die wunderschönen Textilien auf wirklich eindrucksvolle Art und Weise sichtbar werden. Klar gegliederte Texte führten in die ethnisch so vielfältige Welt dieser Bergvölker ein und vor den hinreißenden Abbildungen glaubte man mit seinem Gegenüber ins Gespräch zu kommen. Neben den materiellen und visuellen Objekten führten Klangbeispiele zu einem ganzheitlich sinnlichen Ausstellungserlebnis.

Bei beiden Ausstellungseröffnungen wurde wiederholt der Umzug ins Humboldt Forum angesprochen. Dies wird das Ethnologische Museum verändern. Es wird sein angestammtes treues Publikum verlieren, das ihm in Dahlem sicher war. Ein Publikum, das nicht unbedingt die Sammlungen besuchte, aber zu den Ausstellungseröffnungen kam. Ein gebildetes und überwiegend informiertes Publikum. Voraussichtlich wird dies einem mehr touristisch orientierten Publikum weichen. Wenn es aber so neugierig bleibt, wie bei der Erfolg der anderen Museen in Stadtmitte zeigt, dann kann man sich  jetzt schon auf das Neue alten Ethnologische Museum Berlin freuen.