Kunst kommt vom Können: Das Museum für Sächsische Volkskunst

Ein (leider in eine falsche Richtung weisendes) Hinweisschild in der Dresdner Residenz weist dem geneigten Besucher den Weg zu einem weiteren highlight der sächsischen Museumslandschaft: dem Museum für sächsische Volkskunst. Hier können Sie besichtigen, dass Kunst viel mit Können zu tun hat, und Kunsthandwerk viel mit dem Erfindungsreichtum, mit dem sächsische Künstler ihre Heime schmückten oder für die anderer schnitzten. Die falsche Richtungsangabe ist schnell vergessen, sobald man das Museum betritt.

Nicht nur das Museum, sondern auch das Gebäude selbst ist eine Bemerkung wert: Der Jägerhof ist eines der ältesten Baudenkmäler der Dresdner Neustadt. Kurfürst August ließ ihn ab 1569 erbauen. Schon damals diente er Schauzwecken. Er beherbergte Gemälde und Skulpturen aus kurfürstlichem Besitz. Dieser Renaissancebau wäre dem Abriss anheim gefallen, wenn nicht Oskar Seyffert (1862-1940), Professor an der königlich sächsischen Kunstgewerbeschule beschlossen hätte, ihn als Heimstätte der Sammlungen des Vereins für Sächsische Volkskunde zu nutzen. Und das ist er bis heute geblieben, ab 2005 im neuen Gewand und mit einem vorbildlichen museumspädagogischen Konzept.

Erst seit 2011 ist es sicher bekannt, dass Elias Augst (1775-1849) aus Steinigtwolmsdorf das ein ganzes Zimmer einnehmende Figurentheater der Leidensgeschichte Christi schuf, das auch heutige Besucher stundenlang in Bann zu nehmen weiß. Elias Augst verdiente durch die Zurschaustellung seines einmaligen Kunststücks. Bald profitierte auch sein nicht eben reiches Heimatdorf davon, da Besucherströme kamen, um dieses sächsische Weltwunder aus der Nähe zu erleben.[1]

Aber nicht nur dies ist bemerkenswert, sondern überhaupt die Fülle und Farbenpracht der getischlerten, gedrechselten und geschnitzten Bauernschränke, Wiegen, Leuchter, Krippen, Weihnachtspyramiden, Spielzeugkarussels, Miniaturwunderwerke (die Weihnachtsgeschichte in einer Nussschale!)…..

Farbe in der Bude – mit diesem geschnitzten Leuchter bestimmt

 

Zeigt die Dresdner Residenz Kunstwerke in Gold und Silber, so stehen diese geschnitzten hölzerenen Pretiosen dem Glanz des augusteischen Fürstenhofs an nichts nach: Beide beruhen im Grunde auch auf demselben Fundament, dem Staunen über Kunst und Könnerschaft, der Lust an der Überraschung und Spielerei, der Freude an einer größtmöglichen handwerklichen Präzision.

Das Museum hat in der zweiten Etage ein eigentlich schlichtes, aber umso wirkungsvolleres museumspädagogisches Konzept umgesetzt: Die Themen, die in der Vitrine gezeigt werden, wiederholen sich in Kästen unter den Vitrinen, die aufgezogen und deren Inhalt entdeckt, auf dem Boden ausgebreitet und bespielt werden darf. So konnte der kindliche Besucher, in dem Fall ein Vierjähriger, mit Holzengeln und Eisenbahnen hantieren, und seine Begleitung konnte sich in Ruhe der Betrachtung der Wunderwerke in den oberen Stockwerken widmen….Problematisch ist dabei nur, die Kinder aus dem Museum zu bekommen. In dem Fall gelang das nur unter lautstarkem Protestgebrüll. Wir kommen wieder.

Mobilitätsgeschichte erspielen – mit einer Holzeisenbahn made in Saxony

Kontaktdaten:

Museum für Sächsische Volkskunst  und Puppentheatersammlung im JägerhofKöpkestr. 1, 01097 Dresden; www.skd.museum Besucherservice /Gruppenanmeldung: besucherservice@skd.museum; täglich 10-18 Uhr außer montags

 

(Elisabeth Simon/ Ruth Schilling)



[1] Herrde, Bernd, Geschnitzt, gemalt, bewegt: Mechanische Wunderwerke des sächsischen Universalgenies Elias Augst, Husum: Husum Verlag 2012, ISBN 9783898765855.

Wahrhaft königlich: Impressionen aus der Dresdener Residenz

Ein Wiedersehen kann sehr erfreulich sein, auch eines, das nicht einer geliebten Person, sondern einer Stadt gilt. Nie werde ich die Tränen meiner Mutter vergessen, die das Dresden des Jahres 1990 mit der Stadt vergleichen musste, die sie als junge Frau vor dem Zweiten Weltkrieg kennen gelernt hatte.

Aber Dresden ist wieder auferstanden, das Florenz des Nordens in seiner Schönheit und Leichtigkeit. Deshalb verwundern die Besucherströme nicht, die sich im Sommer durch die Altstadt Dresdens in die Frauenkirche und zum Grünen Gewölbe im Schloss drängen. Nur ganz arm darf man nicht sein, wenn man die Schatzkammer, das Grüne Gewölbe besuchen will, denn sie ist leider geteilt, in das Neue Grüne Gewölbe und das Historische Grüne Gewölbe. Für das Neue Grüne Gewölbe gilt das Ticket, mit dem man auch die anderen Sammlungen der Residenz besichtigen kann. Der Besuch des Historischen Grünen Gewölbes ist aus verständlichen Gründen limitiert. Allerdings wird einem der fast verleidet, gemahnt er doch dank Höhe des nochmals zu entrichteten Eintrittsgelds und der rigiden Zeitplanung an moderne Bahnfahrten.

Aber der Besuch des (modernen) Grünen Gewölbes tröstet über solch ärgerlichen Unbilden der postmodernen Museumsbürokratie.
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Wer bewundert nicht die mit feinster Kunstfertigkeit hergestellte Eule (1713) die mit ihren Edelsteinaugen und ihrem changierenden Gefieder ein so prächtiges Beispiel der Verbindung von Kunst und Natur gibt. Edle Geschirre, nur als Tischschmuck zu benutzen, Tiere, besonders der edle Hirsch in Glas und Silber, Herkules die Weltkugel tragend  auf einem edlen Untersatz stehend.


Wunderbar und einer langen Besichtigung würdig: der Hofstaat des Großmoguls Aureng -Zeb (1701) – eine überaus subtile und differenzierte Betrachtung auch der sächsisch-polnischen Monarchie durch den hochbegabten (und fürstlich entlohnten) Goldschmied Augusts des Starken, Johann Melchior Dinglinger (1664-1731). Es ist unmöglich, hier nur annähernd alle Schätze zu erwähnen, aber dafür gibt es ja einen guten Katalog, der im Vergleich zu den Eintrittspreisen äußerst erschwinglich ist.[1]

Wer sich aber der Faszination der türkischen Welt durch die Jahrhunderte vergewissern will, gehe in die Türckische Cammer. Man betrete die prächtigen Zelte und fühlt sich in den Orient versetzt, man  sehe sich die edlen und geschmückten Säbel und Schwerter an und kann sich vorstellen, wie die türkischen Heere mit ihren modernen Kriegsführung und ihren feurigen Pferden die angegriffenen Städte und Soldaten in Angst und Schrecken versetzt haben. Die dazugehörigen Gemälde untermalen diese in der Phantasie ausgemalten Schrecknisse der damaligen Zeit. Alle Artefakte ließ August der Starke mit diplomatischen Geschick und Leidenschaft sammeln. Er stürzte damals den sächsischen Staat in tiefe Schulden- welch Ironie oder Gerechtigkeit, dass die  damals gesammelten Schätze heute zu den großen  Reichtümern einer  Stadt gehören, die sich vor Jahren ihres gesamten Eigentums an Mobilien entledigt hat. Möge dieser Schatz erhalten bleiben zur Freude aller Menschen und nicht nur der Einwohner des Staates Sachsen und seiner Regierungsstadt.

 

Öffnungszeiten von 10.-18.00 Uhr, Dienstag geschlossen,

www.skd.museum

Besucherservice:  besucherservice@skd-museum

 

Elisabeth Simon

 



[1] Syndram, Dirk, Schatzkunst der Renaissance und des Barock. Das Grüne Gewölbe zu Dresden, Dresden, 3. Aufl. 2008, Deutscher Kunstverlag München/ Berlin, ISBN 978-3-422-06489-8, 24, 80 EUR.

Frankfurt (Oder) und seine Stadtgeschichte

Stadtgeschichte im Museum – dafür gibt es inzwischen viele hervorragende Beispiele, die zeigen, dass es sich dabei nicht unbedingt nur um chronologisches Erzählen oder identitätsstiftendes Stadtmarketing handeln muss. Neben der weit über die Stadtgeschichte ausgreifenden Dauerausstellung im Kulturhistorischen Museum Magdeburg (vgl. http://www.khm-magdeburg.de/) ist auch das Museum Viadrina in Frankfurt/ Oder eine Reise wert, zumindestens für alle diejenigen, die sich für städtische Geschichte an sich und im Falle Frankfurts auch für Universitätsgeschichte begeistern.

Der Ort des Museums in unmittelbarer Nähe zur Oder und somit in Sichtweite zu Polen ist ein wunderschöner Knoblauch-Bau aus den 1780er Jahren. Wie sehr die Lage an der Oder die Stadt prägte, ihren Aufstieg zur Stadt im 13. Jahrhundert begünstigte, wird an einem großen Modell der mittelalterlichen Stadt deutlich, das im Erdgeschoss des Museums zu sehen ist. Beeindruckend die überaus wehrhafte Mauer von 2,5 km Länge mit drei Toren und 50 Wachhäusern und Wachtürmen. Frankfurt Oder war — das ist heute den wenigsten bewusst —  Hansestadt. Sein Patriziat pflegte ein durchaus anderen Hansestädten vergleichbaren Lebensstil, wie die archäologischen Funde von großen Humpen, prachtvollen Schlüsseln, Schuhen und anderen Alltagsgegenständen zeigen. Im Museum Viadrina werden von diesen ausgegrabenen Schuhen gleich eine ganze Reihe ausgestellt. Vielleicht ist es gerade diese Menge, die diese Vitrinen so beeindruckend macht und Fragen nach denen, die sie getragen haben, evoziert.

 

Die Gründung der Universität im Jahre 1506 gehörte nicht in die Zeit der Hanse und des selbstbewussten Stadtpatriziats, sondern war Ausdruck kurfürstlichen Macht- und Repräsentationsstrebens. Sie war die erste brandenburgische Landesuniversität und besaß als solche eine nicht zu unterschätzende Bedeutung für die Rekrutierung höfischer und städtischer Eliten in Berlin und Brandenburg, eine Bedeutung, die symbolisch in mehreren Gelehrtenbibliotheken zum Ausdruck kommt, die im Museum für die Ausstellung zusammengestellt wurden (Foto 2).

Im Jahre 1811 wurde die Universität geschlossen, Berlin und Breslau waren nun die Sterne am preußischen Bildungsfirmament. War dies konsequenter Ausdruck der Umsetzung eines neuen, nicht durch frühneuzeitliche Traditionen bestimmten Bildungsprogramms, so begann damit für Frankfurt/ Oder eine neue Phase der städtischen Existenz, die nun hauptsächlich durch Militär und Verwaltung bestimmt wurde. Erst die bereits drei Jahre nach Mauerfall gegründete Europa-Universität Viadrina kann  an bereits verlorene Traditionen europäisch ausgerichteter Gelehrtsamkeit anknüpfen. Unter den Exponaten, die die Universitätsgeschichte Frankfurts beleuchten, gibt es ausgesprochen viel zu entdecken, u.a. die umfangreiche „Entfernungstafel“ aus dem Jahre 1562, bei der von Frankfurt aus konzentrisch die Entfernungen zu anderen deutschen Städten angegeben sind. Sie stammt von Wolfgang Jobst, Universitätsprofessor, Mediziner, Historiker und eben auch Geograph.

Das Museum Viadrina bietet ein abwechslungsreiches und überaus anschauliches Programm an Sonderausstellungen an. Bedauerlicherweise sind sie aber teilweise nur für Gruppen geöffnet. So konnten wir nur einen verstohlenen Blick in die Räume mit dem vielversprechenden Titel „Besuch in Uromas Küche“ und „Schule vor hundert Jahren“ werfen. Die Bänke, die dort standen, kamen uns sehr vertraut vor, wurden also nicht nur vor gut hundert Jahren benutzt und fanden eine Parallele übrigens nur in den 4. Klassewagen der Eisenbahn.

 

Adresse: C.-Ph:.E. Bachstr. 11, 15230 Frankfurt/Oder Tel. 0335-401560

www.museum-viadrina.de 

 

 

(Elisabeth Simon, Ruth Schilling)

Stadtgeschichte im Märkischen Museum Berlin

Von Werden, Vergehen und Wiedergeburt einer Metropole:


Man müsste jedem Berlin Besucher bei seiner Ankunft in der Hauptstadt die Adresse des Märkischen Museums auf die Rechnung oder das S-Bahn-Ticket drucken. Wie oft begegnet man Touristen, die zu zweit oder in Gruppen tief gebeugt über einen Stadtplan sich fragen, was das für ein Gebäude ist und ob es eventuell das Gesuchte darstellt und wo wohl die viel gerühmte Innenstadt, das Berliner Zentrum der Wissenschaft und Kultur war, in der berühmte Persönlichkeiten wie Rahel von Varnhagen oder auch der Philosoph Moses Mendelsohn gewohnt haben.

Das Märkische Museum bietet für solche Ratsuchenden Berlin-Spaziergänge an und zwar gut medial gestaltet von der Vergangenheit zur Gegenwart. Auf diese Weise gelingt es den Ausstellungsmachern, die unterschiedlichen historischen Schichten einer Stadt räumlich plastisch zu machen und nicht rein chronologisch zu erzählen.

Zu einer solchen historischen Raumreise lädt beispielsweise die Wilhelmstraße ein: In ihr hatte Reichskanzler Bismarck seine Wohnung und Arbeitsplatz. Er ließ eine Tür von seiner Wohnung zu seinem Arbeitsplatz, dem Auswärtigen Amt durchbrechen, was ihm sehr gelegen war, denn er war kein Frühaufsteher. Im Juni 1961 diente sie dann als Grenzmarkierung zwischen Ost und West.

Von den vielen Modellen der Stadt, die einen Überblick verschaffen in das Werden und besonders Vergehen Berlins 1945, das mit erschütternden Photos nicht ausgespart wird, bis zu den Räumlichkeiten der Zünfte: Man taucht in diesem Museum in neue Räume, in neue und alte Welten, die uns ungewohnte Dimensionen der Stadt und ihrer Region vermitteln – ja, wenn man nicht unglücklicherweise ständig beobachtet werden würde. Das Museum hat eklatant zu wenig Besucher, aber sollte man nicht auf die Gewinnung neuer Personen und Besucher mehr Wert legen als demjenigen, die dorthin kommen, ein unbehagliches Gefühl leichter Kriminalisierung zu vermitteln? Von fünf bis sechs Aufsichtskräften gut bewacht verbrachten wir dort einen ganzen Nachmittag zu zweit, und es hätte noch länger dauern können, wenn man sich behaglicher und entspannter hätte fühlen können. Ein romantisches Cafè im Hof dieses eindrucksvollen Gebäudes reicht dazu nicht aus, besonders wenn es kalt ist, was auch in Berlin vorkommt.

Das Märkische Museum ist nicht nur ein Berlin-Museum, es ist auch ein Museum der Mark und zeigt eindrucksvoll eine Metropole in der Region und deren Einfluss auf diese Metropole. Besonders deutlich bewusst wird einem dies im Untergeschoss des Museums, in dem eine hervorragend gestaltete neue Dauerausstellung die schriftlose Zeit Berlins und Brandenburgs thematisiert.

Die atemberaubende Sammlung von frühchristlichen und mittelalterlichen Denkmälern, die hier zu Hause ist, erwartet man nicht in einem Museum und erkennt dankbar, dass die einzigartige Raumgestaltung des Märkischen Museums einer solchen Ausstellung entgegen kommt. Aber es fehlt – wie an manchen anderen Stellen- an Erklärungen und Einordnungen. So sehr diese Ausstellung die Verbundenheit Berlins mit seiner Region unterstreicht, grübelt man doch darüber, ob nicht das eine oder andere christliche Monument in einer Kirche besser aufgehoben wäre als hier im Museum (Mittelalterliche Sakralkunst neu entdeckt). Aber das ist ein altes Problem und der Gegenstand mancher Diskussion, die ein Museum immer aufwirft, das Gegenstände ausstellt, die ihrem ursprünglichen räumlichen und Gebrauchskontext entrissen sind.

Ein reines Besuchervergnügen ist die Sonderausstellung Kinderträume/Kaufmannsläden. Hier wünscht man sich manchen Spielzeughersteller als Besucher, denn nur zu gerne würde man einen solchen Kindertraum kaufen.

(Gastbeitrag von Elisabeth Simon)

Märkisches Museum – Teil der Stiftung Stadtmuseum Berlin, www.stadtmuseum.de  Am  Köllnischen Part 5, 10179 Berlin, Telefon 030- 243002- 162 , Eintritt 5.00 Euro, Photoerlaubnis 2.00 Euro

Apothekenmuseum Cottbus

Die Apotheke – Medizinschrank und Heilwiese
(Gastbeitrag von Elisabeth Simon)

Würden Sie bei der Planung Ihrer Museumsbesuche – von der Stadtgeschichte und zu Häusern der Kunst, einen Besuch in ein Apothekermuseum einbeziehen? Eher nein! Wir suchen zwar alle im Laufe unseres Lebens keinen Laden so oft auf wie eine Apotheke. Aber von einem Museum erwarten wir Zuwachs an Informationen (wenn nicht Sensationen) und Aufklärung, doch wäre ein Besuch eines Apothekermuseums, wenn wir überhaupt realisieren,  dass es so eine Einrichtung gibt, nicht unbedingt nahe liegend.

Lassen Sie sich informieren! Nehmen Sie sogar eine Fahrt (mit einem Brandenburg Ticket  nicht teuer, wenn auch langwierig, bei Verspätungen, die weit über 50% der Fahrtzeit betragen) auf sich und fahren nach Cottbus. Dort auf dem großen und bildhübschen Marktplatz liegt die Löwenapotheke, gegründet von dem Markgraf von Cüstrin (jenem Küstrin, das im Jahr Friedrichs des Grossen eine gewissen Berühmtheit erlangt) und dem Apotheker Dr. P. Cnemiander 1568 als Privileg übergeben, der dann die Apotheke 1573 eröffnete, am Altmarkt Nr. 24. Wenn auch die angezeigten Öffnungszeiten nicht unbedingt mit dem möglichen Zugang übereinstimmen, haben Sie Geduld. Ein Rundgang durch dieses hinreißende Haus aus der Mitte des 16. Jahrhunderts mit all einen Modellen zur  Apothekergeschichte bis zu Zeiten der DDR ist gleichzeitig ein Gang durch die leidende und forschende Menschheit. Nicht allein seine Faulheit ließ den Mensch  forschen und technische Neuerungen erfinden, sondern seine Leiden und Krankheiten schickten ihn auf eine bis heute andauernde Suche nach Mitteln der Heilung und Linderung. Es war nicht allein die ehrwürdige Hildegard von Bingen, es waren zahlreiche Zeitgenossen, die ein großes Wissen an Kräutern und ihren Wirkstoffen aufbauten. Diese Kräuter, deren Namen uns nicht mehr alle bekannt sind und ihre Verarbeitung sind hier zu besichtigen. Dass sich heute große Pharmakonzerne im Zeitalter der Allergien und neuen Viren für diese Stoffe erneut interessieren, ist bekannt. Aber nicht nur alte und neue Geräte und Verarbeitungen, wer kennt schon einen Pillendreher, sind im Apothekenmuseum zu besichtigen, nein sie präsentiert in den verschiedenen Räumen die im jeweiligen Zeitalter moderne Apotheke.

Wer kennt sie nicht, die Hausapotheken mit den jeweiligen Schränkchen,  aus der die Mutter mit Pflaster (immer noch Hansaplast) und Jod Abschürfungen  und andere Wunden vor dem Eitern bewahrte. Diese Hausapotheken, wunderbar geschnitzte Schränke von großem Ausmaß  unterscheiden sich wesentlich von den kleinen Blechschränken, die heute in den Wohnungen in kindsicherer Höhe an den Wänden hängen. Aber der Medizinschrank für den Luftschutzkeller gegenwärtigt wie schutzlos die Menschen während dieser Stunden der Luftangriffe waren: Mehr als eine symbolische Bedeutung konnte dieses Schränkchen nicht haben.

Mediziner und Apotheker hantierten auch immer mit Giften. Nicht nur der Fingerhut macht deutlich, dass beides dicht nebeneinander liegt und nur die richtige Dosierung (und Gewicht) aus einem Gift ein Heilmittel machte. Der Giftschrank in dieser Apotheke ist imponierend. Dreifach gesichert ! Nach welchem Schlüssel, fragt sich der  Krimi erfahren Besucher, konnte nur der Apotheker die dreifachen Tüten öffnen, gab es zu einer gewissen Zeit einen Anstieg der Morde in Cottbus? Anfang des 20 Jahrhunderts gab es im gesundheitlich schlecht versorgten Afrika  mehrere Tötungen, die in der guten Absicht  auf einer falschen Dosierung der Medizin beruhten. War dies auch in Cottbus und seiner Umgebung, die von dieser Apotheke versorgt  wurde, der Fall?  Dies würde eine Antwort auf die Frage nach der dreifachen Versiegelung des  Giftschrankes geben.

Die Apotheke ist auch ein Spiegelbild dieser nördlichen Region. Schnupfen und Heiserkeit mit all seinen Begleiterscheinungen, die uns heute noch plagen, haben auch die Generationen vor uns gequält und sind mit allerlei Tinkturen zum Einnehmen und Einreiben bekämpft worden. Baldrian, in großen Fässern gelagert und dort verarbeitet, kennen wir heute noch aus vielen Heilmitteln. Nur erforderte die Herstellung damals die gelehrte und gekonnte Aktivität des Apothekers, wobei er heute nur den richtigen Griff in die richtige Schublade machen muss.

Hier noch einige Daten zur Geschichte des Hauses: 1573 Eröffnung, im Laufe der Jahrhunderte verschiedene  Neu- und Umbauten. 1951 Verstaatlichung  1964 Umbau, 1980 Aufnahme in die Bezirksdenkmalliste der DDR 1984 Sanierung des gesamten Gebäudekomplexes,  1994 Gründung des Vereins  zur Förderung des Niederlausitzer Apothekenmuseums in der Löwen-Apotheke Cottbus e.V., seit 2002 Brandeburgisches Apothekenmuseum  (Eintritt 4 Euro, es lohnt sich ! ).

Eine Nacht im Museum

Warum die Angebote für Kinder in der „Langen Nacht der Museen“ am 28. Januar so spannend waren (Von Dr. Ruth Schilling)

Volles Programm auch für Kinder bei der Langen Nacht der Museen in Berlin

Draußen fielen die ersten Schneeflocken des Winters, drinnen war es gemütlich und dunkel. Eine Rakete startete, ein Mann hüpfte auf dem Mond, das Sternbild des Großen Bären leuchtete auf …

„Eine kleine Sternenreise“, so hieß das gleichzeitig anschauliche, aber auch anspruchsvolle Programm des Berliner Planetariums, einer altvertrauten West-Berliner Institution, die bei ehemaligen West-Berlinerinnen und West-Berlinern Kindheitserinnerungen wachruft. Still und andächtig konnte man zu Beginn in den Berliner Abendhimmel eintauchen, der – hell erleuchtet, wie er ist – keinen besonders klaren Blick auf das nächtliche Schauspiel von Sternen, Sternschnuppen und Planeten bietet. Doch dann wurde es dunkel, Sternbilder wurden erklärt, wir reisten auf den Mond, lernten die gewaltige Hitze der Sonnen kennen und die ersten Grundzüge des Planetensystems. Das war nicht nur für Vierjährige spannend, sondern auch für Geisteswissenschaftler mit einem schlecht ausgeprägten Orientierungssinn, die am Himmel nur den Großen Wagen identifizieren können. Eine nur 45-minütige Veranstaltung, die einen aber voll Staunen zurückließ und mit dem Wunsch, bald wieder in diese Wunderwelt des Himmels zu reisen …

Pirat im Labyrinth

Staunen konnten wir dann auch im „Labyrinth“, dem Kinder-Museum an der Osloer Straße. Gefasst hatten wir uns auf ein kleines Hinterzimmer, wo es einige Spiele und Konstruktionen gibt. Doch erwartet wurden wir von einer großen, umgebauten Fabrikhalle, für die die Bezeichnung „Kinderparadies“ eine Untertreibung darstellt. Unten versuchte ein König mit majestätisch lauter Stimme zusammen mit sehr hübsch gewandeten Gehilfinnen Berliner Gören Tänze der friderizianischen Epoche beizubringen (leise Zweifel, ob der Alte Fritz das wirklich gut gefunden hätten, wurden durch die Begeisterung der kleinen und großen Kinder im Keim erstickt), oben hieß es, ein kindertaugliches Museumsobjekt nach dem anderen zu entdecken, vom Kasperlespiel bis hin zum Piratenschiff, einem Guckpanorama auf Kinderhöhe, einem Lichtlabyrinth, einem Rabentreffspiel…..Einziger Wermutstropfen: wir mussten dann doch irgendwann gehen. Mit einem schreienden Knaben, der so laut verlangte „hier bleiben, will hier bleiben! “, dass die Wände des Labyrinths wackelten.

Das Kind als König

Thesaurus mirabilium

Das Naturkundemuseum der Humboldt-Universität zu Berlin

Mitten in Berlin, zu Fuß gut von unser beider Arbeitsstätte erreichbar, brauchte es doch eines verregneten Neujahrstages, um uns in das Naturkundemuseum zu führen, eine wahre Stätte aller Wunder.
Zunächst ein paar Worte zu der Infrastruktur: Selten habe ich ein so gut ausgeleuchtetes Museum besucht. Das ist um so wichtiger, da die Verschiedenartigkeit der Objekte, ihre Vielfarbigkeit, ihre faszinierende Kleinteiligkeit leicht hätte dazu führen können, dass man halbblind aus dem Museum wankt. Die Präsentation ist aber in der Sichtbarkeit der Vitrinen, der Ausleuchtung, dem Wechsel an interaktiven und kontemplativen Elementen so geschickt organisiert, dass sich der übliche Ermüdungseffekt kaum einstellt. Man möchte vielmehr, kaum verlässt man das Museum, schon wieder hineingehen.
Wir haben längst nicht alles gesehen und freuen uns schon auf weitere verregnete Nachmittage.

Unbedingt besuchen sollte man die Sonderausstellung „Biopolis“, zumal wenn man in Berlin lebt und sich immer wieder fragt, warum eigentlich Füchse am Potsdamer Platz leben oder wie ein Waschbär in die Ziegelstraße (Berlin-Mitte) gelangt. Einzelne, in Form von Bushaltestellen konzipierte Infotafeln zeigen die Vielfalt von Berlin als Hauptstadt der Bio-Diversität (schlägt sogar New York!) in ihrer ganzen Schönheit, aber auch ihrer Problematik, wenn etwa Wildschweine, die ja nicht immer friedfertig sind, zumal, wenn sie mit Jungen unterwegs sind, durch Füttern in Wohngebiete gelockt werden …
Weitere highlights waren: Die beeindruckende Präsentation des Archaeopteryx lithrographica, des wohl schönsten Exemplars dieser Art. Seine Objektgeschichte ist nebenbei ein Lehrstück in Marktwirtschaft: Sein Finder verkaufte ihn im Jahre 1876 für den Gegenwart einer Kuh. Der preußische Staat musste schließlich 20 000 Reichsmark in mehreren Raten für seinen Erwerb aufbieten. Heute wäre das gute Stück sicherlich einige Millionen EUR wert.
Konkurrenz erhält der steinerne Vogel durch den Brachiosaurus brancai, den weltweit größten Dino in Skelettform, übrigens vom Guiness Book der Rekorde zertifiziert.

Die gewaltigen Knochen verleiten einen zu philosophischen Überlegungen, war das Monstrum doch ein Pflanzenfresser und vermutlich ununterbrochen mit der Erhaltung seiner eigenen Existenz beschäftigt. Wieviele Weihnachtsbäume hätte man wohl gebraucht, um ihm ein schönes Frühstück zu bereiten ?
Aber nicht nur das Schauzimmer des Museums birgt der Wunder viele. Von einer eher abstoßenden Skurrilität die Manipulationsversuche der Nationalsozialisten, die auch vor dem Hornvieh nicht Halt machten. So findet sich im Saal Huftiere, der übrigens zum sozialistischen Altbestand der Museumsgestaltung gehört, eine sog. Riesenelenantilope, die für die Reichsjagdausstellung des Jahres 1936 noch etwas riesiger gestaltet wurde.
Außerdem bemerkenswert ein Diorama zum Ur, von dem Reichsjagdminister Hermann Göring stolz verkündete, ihn wiederauferstanden haben zu lassen (Saal Großdioramen).

Unbedingt beachten sollte man die etwas stiefmütterlich zwischen Sonderausstellung und Großdioramen eingezwängte Sammlung von Insektenmodellen. In 15-100 facher Vergößerung lassen sich viele Besonderheiten beispielsweise einer Stubenfliege entdecken. Auch diese Sammlung stellt ein echtes Unikum in dem an Einzigartigkeiten reichen Museum dar: Alfred Keller begann 1930 damit, sie in jahrelanger Kleinarbeit herzustellen. Er sollte damit Maßstäbe setzen, die bis heute gelten.
Leider mussten wir an dieser Stelle mit unserem Museumsrundgang abbrechen, werden uns aber hoffentlich demnächst mit einer Fortsetzung melden …

Davids Meinung: Spektakel auf Augenhöhe



Wir waren nicht die einzigen, die ihren Nachwuchs am Neujahrstag mit dem Versprechen, große Dinos treffen zu können, in das Naturkundemuseum lockten.
Die Dinos lockten David zwar ins Museum, aber dort interessierte er sich dann nicht nur für die großen Skelette. Auch Stars werden mal links liegen gelassen, so im Schausaal des Naturkundemuseums (Saal: Saurierwelt). Dort entdeckte David, dass man zu kleinen Lehrfilmen gelangte, wenn man einzelne Wörter auf den Erklärungstafeln drückte.

Darunter hatte es ihm einer besonders angetan, in dem die Bewegungsabläufe beim Menschen mit denen eines Raubsauriers verglichen wurden. Beide Skelette rannten elegant über die Leinwand. Unser Sohn hat den Film ca. 70 Mal angeschaut.

Außerdem äußerst verlockend: Eine selbstzusteuernde Computeranimation zweier Saurier. Ein riesengroßes Nilpferddiorama (Saal: Huftiere).

Glitzernde Mineralien auch auf Augenhöhe von Kindern (Saal: Mineralien). Federn, die in die Luft gepustet werden (Saal: Vögel – das gefiel auch deutlich jüngeren Kindern als David). Verschiedene Musikausschnitte von Mozart bis Star Trek zum Thema Planeten (Saal: Kosmos und Sonnensystem).

Fazit: Wir kommen wieder, bestimmt. Und dann schauen wir uns noch einmal den tollen Film mit dem rennenden Totenkopf an.

„Welten der Muslime“ und „Mythos Goldenes Dreieck“

Gemeinsamer Gastbeitrag von Prof. Dr. Artur Simon und Frau Elisabeth Simon

Im Abstand von nur einem Monat eröffnete das Ethnologische Museum Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz, gleich zwei neue Ausstellungen, Welten der Muslime und Mythos Goldenes Dreieck. Beide Ausstellungen führen in eine Welt ein, die uns trotz Nachbarschaft (Muslime) und Tourismus (Bergwelt Thailand) noch immer fremd ist.

Die Ethnologie hat ein Problem. Ihre auf die materielle Kultur ausgerichtete Zielsetzung verliert in einer globalen Welt, mit zunehmenden  Angeboten an fremden Kulturgegenständen, die zum Kauf angeboten werden und dem photographierenden Touristen an Attraktivität. Dieses ist aber nur vordergründig, es scheint, als ob die Völker dieser Erde jedem bekannt sind. Nein, die Völkerkunde hat an Bedeutung gewonnen, denn wir bestaunen nicht mehr fremde Sitten und Gebräuche oder weiden uns an fremdartigem Aussehen, wir wollen und müssen mit Ländern und ihren Einwohnern, die zunehmend zu unseren Nachbarn werden kommunizieren und dies oft hautnah. Interkulturelle Kompetenz wird aller Orten gefordert und alle, die international tätig sind, wissen, dass sich mit falschen Wissen und mangelndem Kontakt Barrieren auf- und nicht abbauen.

Welten der Islame, die neue Dauerausstellung des Fachreferats Islamischer Orient, zeichnete sich durch den Reichtum der ausgestellten Gegenstände aus. Man staunt immer wieder, wie wertvolle Schätze  in dieser großen Anzahl  das Ethnologische Museum besitzt.  Es offenbart den großen Einsatz staatlicher und privater Mittel von rastlosen Forschern und mildtätigen Staatssekretären zu Ende des 19. Und am Beginn des 20. Jahrhunderts, von denen Berlin heute noch zehrt. Die Ausstellung verließ die bei Ethnologen so beliebte Einteilung nach Geographie und Regionen und stellte statt dessen übergreifende Themen in den Mittelpunkt wie Haus und Gastfreundschaft, Materielle Kultur, Dimensionen des Islam.

Bilder und Texte informieren über privates Leben, Gastlichkeit und Solidarität und wie Material und Ornamentik sich auf die muslimische Formensprache beziehen. Reiche Ornamentik und wunderbare Farben aus den verschiedensten Ländern zeigen diese gemeinsame wie  vielschichtige religiöse Identität der muslimischen Völker. Es mag mit dem in jedem von uns verinnerlichten Bild des Orients zu tun haben, dass man die Ausstellung mit einem – wenn auch nur geringen – Gefühl des Bedauerns verlässt. Man darf Islam und Orient nicht gleich setzen und doch fehlt einem der Duft dieser Welt. Aus den Brunnen floss kein Wasser, der Eingang durch die Rumpelkammer entsprach so gar nicht unseren Erwartungen und wie gerne hätte das doch überwiegend ältere Publikum sich eine Glas  duftenden Tees gegönnt. Eine schöne und informative Ausstellung aber auf eine verhaltene Art und Weise doch etwas kärglich.

Die Eröffnung der Sonderausstellung Mythos Goldenes Dreieck  begann wie allgemein üblich mit langen Danksagungen. Das ist gut, denn die Organisation solcher Ausstellungen verlangt immer einen zusätzlichen Einsatz, mag die Personaldecke noch so gut gestrickt sein. Ohne diesen ist eine solch bezaubernde Ausstellung wie die über die Bergvölker Thailands nicht möglich und das klang auch an, als die Direktorin des Museums dem Kurator für seine Hartnäckigkeit dankte. Wer je mit großen Institutionen zu tun hatte, kann sich vorstellen, was das bedeutet. Ob es trotz Zuschüssen der Kulturstiftung des Bundes und Förderung durch die Freunde des Museums an Reisegelder für den Kurator gefehlt hat, war nicht ersichtlich, ließ aber das Publikum grübeln. Im Gegensatz zur Islamausstellung war die materielle Kultur nicht in der Größe und Pracht vertreten, hatte aber über einen sehr geschickten Ausstellungsmacher verfügt. Die Anordnung der Kleider in die Wände bedeckenden Kästen war ausgezeichnet und ließ die wunderschönen Textilien auf wirklich eindrucksvolle Art und Weise sichtbar werden. Klar gegliederte Texte führten in die ethnisch so vielfältige Welt dieser Bergvölker ein und vor den hinreißenden Abbildungen glaubte man mit seinem Gegenüber ins Gespräch zu kommen. Neben den materiellen und visuellen Objekten führten Klangbeispiele zu einem ganzheitlich sinnlichen Ausstellungserlebnis.

Bei beiden Ausstellungseröffnungen wurde wiederholt der Umzug ins Humboldt Forum angesprochen. Dies wird das Ethnologische Museum verändern. Es wird sein angestammtes treues Publikum verlieren, das ihm in Dahlem sicher war. Ein Publikum, das nicht unbedingt die Sammlungen besuchte, aber zu den Ausstellungseröffnungen kam. Ein gebildetes und überwiegend informiertes Publikum. Voraussichtlich wird dies einem mehr touristisch orientierten Publikum weichen. Wenn es aber so neugierig bleibt, wie bei der Erfolg der anderen Museen in Stadtmitte zeigt, dann kann man sich  jetzt schon auf das Neue alten Ethnologische Museum Berlin freuen.